PV-Überschussladen: E-Auto mit Solarstrom laden und Kosten senken
Zusammenfassung (TL;DR)
TL;DR: Mit PV-Überschussladen laden Sie Ihr E-Auto kostenlos mit eigenem Solarstrom – statt teuren Netzstrom zu kaufen und günstigen Überschuss ins Netz einzuspeisen. Bei einer 10 kWp Anlage und 15.000 km/Jahr sparen Sie bis zu €500 pro Jahr. Voraussetzung: OCPP-fähige Wallbox, Smart Meter und eine Steuereinheit (ioBroker, EVCC oder Home Assistant).
Wer eine Photovoltaikanlage hat und ein E-Auto fährt, sollte diese Kombination maximal ausschöpfen. Die meisten PV-Anlagen exportieren tagsüber überschüssigen Solarstrom ins Netz – für rund 7–8 Cent/kWh. Gleichzeitig kostet Netzstrom für den Haushalt 20–35 Cent/kWh. Jede kWh Überschuss, die statt ins Netz in den Akku des E-Autos fließt, spart also 12–27 Cent Differenz.
Was ist PV-Überschussladen?
PV-Überschussladen (auch: Solar-Überschussladen, überschusskontrolliertes Laden) bedeutet: Die Wallbox lädt das E-Auto nur dann – und nur so viel – wie die PV-Anlage gerade mehr produziert als der Haushalt verbraucht.
Die Steuereinheit (ioBroker, EVCC, Home Assistant) misst laufend:
- PV-Produktion (Wechselrichter-Datenpunkt)
- Hausverbrauch (Smart Meter am Zählerpunkt)
- Netzein-/ausspeisung (Smart Meter)
Daraus berechnet sie den verfügbaren Überschuss und regelt die Ladeleistung der Wallbox dynamisch – von 0 bis 100%.
Technische Voraussetzungen
Wallbox mit OCPP oder Modbus
Die Wallbox muss dynamisch regelbar sein. Das geht per:
- OCPP 1.6J: Industriestandard, von EVCC und den meisten Steuereinheiten unterstützt
- Modbus TCP: Direktverbindung, geringe Latenz, von go-e, KEBA und Fronius Wattpilot unterstützt
- Proprietäre API: Manche Hersteller (z.B. go-e) bieten lokale HTTP-APIs
| Wallbox | Protokoll | Überschuss-Laden |
|---|---|---|
| go-e Charger Gemini 2.0 | OCPP + Modbus + API | ✅ Ideal |
| KEBA KeContact P30 | OCPP + Modbus | ✅ Ideal |
| Fronius Wattpilot Home | OCPP + Modbus | ✅ Ideal |
| myenergi zappi | Intern + OCPP | ✅ (mit EVCC) |
| ABL eMH1 | OCPP | ✅ |
Smart Meter am Hausanschluss
Für die Echtzeitmessung von Ein-/Ausspeisung brauchen Sie:
- Österreich: Intelligentes Messgerät (iMSys) mit M-Bus oder Kundenschnittstelle (P1-Port)
- Alternativ: Energiezähler mit Modbus (z.B. Eastron SDM630, Shelly Pro 3EM)
Wichtig: Der Netz-Smart-Meter von Ihrem Netzbetreiber in Österreich hat seit 2022 verpflichtend eine Kundenschnittstelle. Diese sendet alle 5 Sekunden aktuelle Verbrauchsdaten – ausreichend für die Überschusskontrolle.
PV-Wechselrichter mit Datenschnittstelle
Der Wechselrichter muss aktuelle Produktionsdaten bereitstellen:
- Fronius: Fronius Solar API (HTTP/JSON)
- SMA: Modbus TCP oder SMA Energy Meter
- Huawei: Modbus TCP
- Victron: MQTT über Venus OS
Steuereinheit: EVCC oder ioBroker?
EVCC (Open Source)
EVCC ist das beliebteste Open-Source-Tool für PV-Überschussladen in Österreich und Deutschland. Es läuft auf einem Raspberry Pi oder NAS, unterstützt über 100 Wallbox- und Wechselrichtermodelle und bietet eine übersichtliche Web-Oberfläche.
Stärken:
- Einfache Konfiguration (YAML-Datei)
- Großes Ökosystem: über 100 unterstützte Geräte
- Kostenlos, aktive Community
- Lastmanagement für mehrere Wallboxen
Einschränkungen:
- Reiner Fokus auf Laden – keine Automatisierung anderer Verbraucher
- Kein integriertes Dashboard für Gesamthausverbrauch
ioBroker mit EnergyOptimizer
ioBroker ist eine universelle Heimautomatisierungsplattform, die über Adapter mit praktisch allen Geräten kommuniziert. Der EnergyOptimizer erweitert ioBroker um spezialisierte Logiken für die österreichische Energieoptimierung:
Stärken:
- Wallbox-Überschussladen UND dynamischer Tarif (awattar/Tibber) kombiniert
- Steuert auch Wärmepumpe, Boiler, Waschmaschine nach Überschuss und Tarifpreis
- Kopplung mit Ökostrom-Benachrichtigungen (Marktpreis-Alarm)
- Ein Dashboard für alles: PV, Wallbox, Wärmepumpe, Speicher
Einschränkungen:
- Komplexere Ersteinrichtung
- Kostenpflichtig (EnergyOptimizer Konfigurationspaket)
So viel sparen Sie: Rechenbeispiel
Anlage: 10 kWp PV | 4.000 kWh/Jahr Überschuss | E-Auto 15.000 km/Jahr | Verbrauch 18 kWh/100km
| Szenario | Kosten |
|---|---|
| Ohne PV-Überschussladen (Netzstrom @ 28 ct) | €756/Jahr |
| Mit PV-Überschussladen (Eigenverbrauch statt 7 ct Einspeisung) | €0 Stromkosten + €280 entgangene Einspeisevergütung |
| Nettovorteil | €476/Jahr |
Mit dynamischem Tarif (awattar) und intelligenter Kombination: Netz-Laden nur wenn Preis < 8 ct/kWh (Übernacht-Tal) + PV-Überschuss tagsüber → effektive Gesamtkosten unter 3 ct/kWh.
Häufige Fragen zum PV-Überschussladen
Welche Mindestleistung braucht das E-Auto zum Laden?
Einphasig: Mindestens 1,4 kW (6A × 230V). Das bedeutet: PV-Überschussladen funktioniert erst ab ca. 1,4 kW Überschuss. Bei kleinen Anlagen oder bewölktem Wetter kann das wenig sein. Dreiphasig: ab 4,1 kW.
Tipp: Manche Steuereinheiten (EVCC, ioBroker) ergänzen kleinen PV-Überschuss mit günstigem Netzstrom (Hybrid-Modus), um über der Mindestschwelle zu bleiben.
Brauche ich einen Batteriespeicher?
Nein – Überschussladen funktioniert auch ohne Speicher. Ein Speicher erhöht die Flexibilität (Laden auch nach Sonnenuntergang), rechnet sich aber nur, wenn die Differenz zwischen Einspeise- und Bezugspreis groß genug ist.
Wie genau ist die Regelung?
Mit Smart Meter (5s-Aktualisierung) und OCPP-fähiger Wallbox: Regelgenauigkeit ±100–300W. Bei Modbus-Wallboxen: ±50W möglich. In der Praxis bedeutet das: Sie speisen maximal 300W ins Netz – keine großen Verluste.
Funktioniert das in einer Wohnanlage?
Ja, mit Einschränkungen. Wenn die PV-Anlage gemeinschaftlich ist (Energiegemeinschaft), brauchen Sie Zugang zu den Erzeugungs-Datenpunkten. Individuelle Wohnungszähler als Smart Meter + Gemeinschafts-PV über API ist technisch möglich, erfordert aber Koordination mit der Hausverwaltung.
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Über den Autor
Christian Werner ist IT-Consultant und Gründer von Werner.Solutions in Graz. Er hilft österreichischen Haushalten und KMU dabei, Energiekosten durch dynamische Stromtarife und smarte Automatisierung zu optimieren — mit IT-Expertise und praktischer Energieberatung.