EPEX Spot AT erklärt: So funktioniert die österreichische Strombörse 2026
Zusammenfassung (TL;DR)
Die EPEX Spot AT ist die europäische Strombörse, an der täglich um 12:00 Uhr die österreichischen Strompreise für den Folgetag festgelegt werden. Die Preise entstehen durch Angebot und Nachfrage nach dem Merit-Order-Prinzip: Günstige erneuerbare Energien werden zuerst eingesetzt, teurere Kraftwerke nur bei hoher Nachfrage. Seit Oktober 2025 werden die Preise in 15-Minuten-Intervallen statt stündlich ermittelt. Mit einem dynamischen Stromtarif können österreichische Haushalte diese Börsenpreise direkt nutzen und bei niedrigen Preisen Strom beziehen.
Was ist die EPEX Spot?
Die EPEX SPOT (European Power Exchange) ist die zentrale europäische Strombörse mit Sitz in Paris. Sie organisiert den kurzfristigen Stromgroßhandel in 17 europäischen Ländern - darunter Österreich, Deutschland, Frankreich und die Schweiz.
Für Österreich gibt es eine eigene Preiszone: EPEX Spot AT. Die hier ermittelten Preise gelten für den gesamten österreichischen Strommarkt und bilden die Grundlage für dynamische Stromtarife von Anbietern wie aWATTar, Tibber oder smartENERGY.
Der Unterschied zu anderen Börsen
Im Gegensatz zur EEX (European Energy Exchange) in Leipzig, wo langfristige Stromlieferverträge gehandelt werden, konzentriert sich die EPEX Spot auf den kurzfristigen Handel: Strom für morgen (Day-Ahead) oder sogar für die nächsten Stunden (Intraday).
Wie entstehen die Strompreise? Das Merit-Order-Prinzip
Die Preisbildung an der EPEX Spot folgt dem Merit-Order-Prinzip (Einsatzreihenfolge). Das Prinzip ist einfach: Kraftwerke werden nach ihren Produktionskosten sortiert eingesetzt - die günstigsten zuerst.
Die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke
- Wind und Solar (nahezu 0 Cent/kWh Grenzkosten) - werden immer zuerst eingesetzt
- Wasserkraft und Kernkraft (niedrige Grenzkosten)
- Braunkohle und Steinkohle (mittlere Grenzkosten)
- Erdgas-Kraftwerke (hohe Grenzkosten) - bestimmen oft den Preis
- Öl und Spitzenlast-Kraftwerke (höchste Grenzkosten)
Der entscheidende Punkt: Der Strompreis für alle Anbieter wird durch das teuerste Kraftwerk bestimmt, das noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken. Wenn viel Wind- und Solarstrom verfügbar ist, sinkt der Preis. Muss ein Gaskraftwerk zugeschaltet werden, steigt er.
Day-Ahead-Markt: Die tägliche Auktion um 12:00 Uhr
Der wichtigste Markt für Verbraucher ist der Day-Ahead-Markt. Hier wird täglich um 12:00 Uhr der Strompreis für den Folgetag festgelegt.
So läuft die Auktion ab
| Uhrzeit | Ereignis |
|---|---|
| Bis 12:00 | Stromerzeuger und -händler geben ihre Gebote ab |
| 12:00 | Auktion wird geschlossen, Matching-Algorithmus läuft |
| Ab 12:40 | Preise für alle 96 Viertelstunden des Folgetags werden veröffentlicht |
| Ab 14:00 | aWATTar und andere Anbieter stellen Preise bereit |
| Ab 15:00 | Smart-Home-Systeme können Verbrauch für morgen planen |
Die Preise werden für jede Viertelstunde separat ermittelt. So kann der Preis um 3:00 Uhr nachts bei 5 Cent/kWh liegen, während er um 18:00 Uhr auf 25 Cent/kWh steigt.
Intraday-Markt: Kurzfristiger Ausgleich
Neben dem Day-Ahead-Markt gibt es den Intraday-Markt für noch kurzfristigeren Handel. Hier können Strommengen bis zu 5 Minuten vor der physischen Lieferung gehandelt werden.
Unterschied in der Preisbildung
Während der Day-Ahead-Markt nach dem Merit-Order-Prinzip einen einheitlichen Preis für alle ermittelt, funktioniert der Intraday-Markt nach dem Pay-as-bid-Verfahren: Jeder zahlt genau das, was er geboten hat. Für dynamische Stromtarife ist primär der Day-Ahead-Markt relevant.
Viertelstundenpreise seit Oktober 2025
Ein wichtiger Meilenstein: Am 1. Oktober 2025 stellte die EPEX Spot von Stunden- auf Viertelstundenpreise um. Statt 24 Preisen pro Tag gibt es jetzt 96 Preise - einer für jede Viertelstunde.
Was bedeutet das für Verbraucher?
- Präzisere Preisbildung: Kurze Preisspitzen und -täler werden sichtbar
- Bessere Optimierung: Smart-Home-Systeme können gezielter steuern
- Fairere Abrechnung: Sie zahlen genauer das, was der Strom tatsächlich kostet
- Höheres Sparpotenzial: Kurze günstige Zeitfenster können genutzt werden
Voraussetzung ist ein Smart Meter mit aktivierter Viertelstundenablesung - ohne diese Einstellung kann Ihr Netzbetreiber die Daten nicht korrekt zuordnen.
Typische Preismuster an der EPEX Spot AT
Die Strompreise folgen bestimmten Mustern, die Sie für Ihre Verbrauchsplanung nutzen können:
Tagesverlauf
| Zeitraum | Preisniveau | Grund |
|---|---|---|
| 02:00-05:00 | Niedrig | Minimale Nachfrage, Grundlast |
| 06:00-09:00 | Steigend | Morgenspitze (Haushalte, Industrie startet) |
| 10:00-14:00 | Sinkend bis niedrig | PV-Einspeisung auf Maximum |
| 17:00-20:00 | Höchststand | Abendspitze (Kochen, Heizen, TV) |
| 21:00-01:00 | Fallend | Nachfrage sinkt |
Wochenverlauf und Saisonalität
- Wochenende: Deutlich niedrigere Preise (Industrie steht still)
- Feiertage: Oft die günstigsten Tage - teilweise negative Preise
- Sommer (April-Oktober): Niedrigere Preise durch PV-Überschuss, besonders mittags
- Winter: Höhere Preise durch Heizlast, weniger Solarstrom
Negative Strompreise: Wenn Sie fürs Verbrauchen bezahlt werden
Bei sehr viel Wind- oder Solarstrom und geringer Nachfrage können die Börsenpreise unter Null fallen. 2024/2025 gab es in Österreich bereits über 300 Stunden mit negativen Preisen.
Wann treten negative Preise auf? Typischerweise an sonnigen Wochenenden im Frühling/Sommer zwischen 10:00 und 16:00 Uhr, oder bei starkem Wind in der Nacht. Mit einem dynamischen Stromtarif und Smart-Home-System können Sie diese Stunden automatisch für E-Auto-Laden oder Warmwasserbereitung nutzen.
Wie Sie als Verbraucher die EPEX Spot Preise nutzen
Voraussetzungen
- Smart Meter mit aktivierter Viertelstundenablesung
- Dynamischer Stromtarif (aWATTar, Tibber, smartENERGY, Verbund etc.)
- Optional: Smart-Home-System für automatische Optimierung
Wo finde ich die aktuellen Preise?
Mehrere Quellen bieten kostenlose Einsicht in die EPEX Spot AT Preise:
| Quelle | URL | Besonderheit |
|---|---|---|
| aWATTar Charts | awattar.at/services/charts | Übersichtlich, ohne Registrierung |
| stromliste.at | stromliste.at/strompreis/epex-spot | Preise für heute und morgen |
| APG Marktdaten | markt.apg.at | Offizielle Daten des Netzbetreibers |
| Energy-Charts | energy-charts.info | Historische Daten und Analysen |
APIs für Smart-Home-Integration
Für die automatische Steuerung Ihres Energieverbrauchs stehen kostenlose APIs zur Verfügung:
- aWATTar API (api.awattar.at/v1/marketdata): Kostenlos, Fair-Use-Prinzip, ideal für ioBroker/Home Assistant
- smartENERGY API: Viertelstündliche Preisdaten in Echtzeit
- Spotty Energie API: Speziell für Home Assistant optimiert
Die aWATTar API stellt die Preise täglich ab 14:00 Uhr für den Folgetag bereit - perfekt für die automatische Planung von E-Auto-Laden oder Wärmepumpensteuerung.
Häufige Fragen zur EPEX Spot AT
Häufige Fragen
Warum sind die Börsenpreise so unterschiedlich zum Endkundenpreis?
Wann werden die Preise für morgen veröffentlicht?
Kann ich auch ohne dynamischen Tarif von niedrigen Börsenpreisen profitieren?
Warum gibt es eine eigene Preiszone für Österreich?
Was passiert bei einem Stromausfall der Börse?
Fazit: Die Strombörse verstehen heißt Geld sparen
Die EPEX Spot AT ist das Herzstück des österreichischen Strommarkts. Wer versteht, wie die Preise entstehen und wann sie typischerweise niedrig sind, kann mit einem dynamischen Stromtarif erheblich sparen.
Die wichtigsten Erkenntnisse: Preise werden täglich um 12:00 Uhr für den Folgetag festgelegt. Viel Wind und Sonne bedeutet niedrige Preise. Die Abendspitze (17:00-20:00) ist meist am teuersten. Seit Oktober 2025 ermöglichen Viertelstundenpreise noch präzisere Optimierung.
Mit einem Smart-Home-Energiemanagementsystem können Sie diese Preisschwankungen automatisch nutzen - ohne täglich auf die Börse schauen zu müssen.
Über den Autor
Christian Werner ist IT-Consultant und Gründer von Werner.Solutions in Graz. Er hilft österreichischen Haushalten und KMU dabei, Energiekosten durch dynamische Stromtarife und smarte Automatisierung zu optimieren — mit IT-Expertise und praktischer Energieberatung.
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